Verlängerung

16.03. – 25.03.2010

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10 Tage sind vergangen und wieder ist einiges passiert, manches hat sich jedoch nicht verändert. Mein Auto steht noch in der Brougham Street, meine Flyer hängen immer noch in so ziemlich allen Hostels herum, alle 2 Tage von mir aufgefrischt. Der Preis ist nun schon bei 3500 Dollares angekommen und die Dusche im Original Backpacker Hostel kennt schon meinen Namen.

Wie ihr wisst, bin ich mit den 2 Sachsen Frank und Hagen in Frank’s Auto in die Blue Mountains gefahren. Durchaus ein Wechselbad der Gefühle. Insgesamt waren wir 4 Tage unterwegs. Die ersten 2 Nächte waren wir aus Kostengründen Zelten, was für meinen Magen zum Verhängnis wurde, da es mir am dritten Tag nicht mehr gut ging. Geplagt von Bauchschmerzen war der Abend des 3. Tages für mich gelaufen. Schuld war die bittere Kälte in den Bergen und das nicht Vorhandensein eines Schlafsackes.

Am ersten Tag wollten wir direkt eine von mir aus Erfahrung empfohlene Wanderung in Angriff nehmen, was daran gescheitert ist, dass Frank einen dicken Fuß hatte und Hagen für soetwas anscheinend generell nicht zu haben ist. Enttäuschend für mich, ich konnte mich dafür am dritten Tag rächen;) Geschlafen wurde im Wald auf einem Aussichtspunkt. Geweckt wurden wir von einer Horde echter Australier, jedenfalls würde man sie sich genauso vorstellen, wäre man noch nicht hier gewesen. Ein dutzend, große, kräftige und langbärtige, “How is it going mate?” grüßende Männer, die große Steinbrocken von einer Straßenseite zur anderen trugen, rollten oder warfen. Später an diesem Tag gings an einen See in Lithgow, eine Stunde nördlich. Dort gabs einen sehr günstigen Campingplatz auf dem wir es uns gemütlich machten. Wir genossen die, durchaus heiße Nachmittagssonne am See und entspannten. Die Nacht war die Hölle. Gefühlte Minusgrade machten mir zu schaffen. Eingekleidet in 3 T-Shirts, 2 Pullover und meine Regenjacke, dazu noch zugedeckt mit meinem Bettlacken und unter mir eine Isomatte. Half alles nix. Mit Hoffnung auf Besserung setzte ich mich in Franks Auto, der eingelullt in seinen Schlafsack und 2 dicke Decken wie ein Baby schlief. So sieht Kameradschaft aus. Ich zitterte mir einen ab und hoffte nur, dass die erlösende Sonne endlich aufgeht. Dann ging sie auf, ich brauchte einige Zeit im Licht aufzutauen. Da gings dann auch schon mit meinem Bauch los. Wir entschieden der Kälte zu entfliehen und die nächste Nacht im Hostel einzubuchen.

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Wir fanden das “Cecils” in Katoomba, ein wahnsinnig gutes Hostel. Augenscheinlich ein altes Restaurant. Gefrühstückt wurde dann sozusagen im Restaurant mit Nutzung der riesigen Restaurantküche. Unser eigenes 3 Bettzimmer stand uns dort genauso zu, wie Billard und Tischtennis. Ich legte mich nach dem Frühstück aufs Ohr, wurde von den anderen Beiden 2 Stunden später aus meinem wohltuenden Tiefschlaf gerissen mit der Begründung, dass unten 2 Däninen angekommen seien. Juhu, hab genug von Däninen. Den Rest des Abends wurde auf der Couch vorm Fernseher gechillt und Mimic 2 geschaut. Am nächsten Morgen wollten die Beiden, eigentlich nur Frank, nochmal wandern gehen. Ich konnte nicht und gab mir ein paar Seiten meines aktuellen Buches. Das Parfüm, nie wieder lese ich ein Buch, nachdem ich den Film gesehen hab. Dann gings wieder nach Sydney. Bei meinem Auto, welches noch  artig auf der Straße fiel mir dann etwas an meiner Fahrertür auf. Sie war unverschlossen. Ich hatte jedoch beide Schlüssel an mir und ich war mir 105 Prozent sicher, dass ich alles verschlossen hinterlassen hatte. Das kleinere, eindrückbare Fenster an der Fahrertür war ein kleinen Spalt offen und mir schwante Übles. Auf den ersten Blick fehlte nichts, auf den zweiten fehlte mein blauer großer Rucksack, gefüllt mit sämtlichen Ladegeräten, meinen Souvenirs aus Thailand, Kuala Lumpur und Singapur, mein abgebrochener Stein vom Uluru, meinen getrockneten Spinnen, mein graviertes Zippo und was weiß ich noch alles. Ich nahms mit Fassung, bin langsam Einiges gewohnt.

Seitdem wohnen wir in zwei Autos auf der Straße. Zwei alte Bekannte bereicherten unsere Kings Cross Straßen Kommune. Der Schwede Joachim und Guddel sind ebenfalls in Sydney aufgeschlagen. Hagen schlief ein paar Tage mit bei mir und Guddel bei Frank. Joachim schlief im Hostel, war trotzdem jeden Tag bei uns. Der Italiener Pietro verabschiedete sich nach Thailand am 20. März, Guddel und Hagen flogen gestern gemeinsam nach Cairns um Freunde von ihm zu treffen und um auf einer Bananenfarm zu arbeiten. So blieben nur Frank und ich zurück. Frank wird am Sonntag aufbrechen in die Nähe von Griffith. Er hat einen guten Job als Traktorfahrer gefunden.

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Vor 2 Tagen hatte sich doch mal jemand dazu durchzuringen, sich für mein Auto zu interessieren. 2 Briten schlichen skeptisch um meinen Jeep. Als ich die Beiden von meinem generalüberholten Motor überzeugen wollte, spring die Karre nicht an. Batterie war total runter, ohne Anzeichen warum. Das wars mit der Kundschaft. Eine völlig unfassbare Situation. Ich fahre fast täglich umher, das Licht war aus, ser Schlüssel nicht in der Zündung. Seitdem ich die Batterie wieder geladen hatte funktioniert wieder alles normal. Unsere Theorie schwankt zwischen der Liebe des Autos zu mir, des Nicht-den-Besitzer-Wechseln-Wollens und der zweiten, möglicherweise realistischeren Möglichkeit: Das Auto will einfach in Ruhe sterben. Keine Reparaturen mehr, keine Touren durch Australien mehr.

So langsam nähert sich mein Gemüt der Schmerzgrenze. Zuviele Dinge treiben mich zurück nach Deutschland. Neuseeland wird nichts mehr, zum einen werde ich das Auto sicher nicht vor dem Abflug verkaufen können, zum anderen kann ich es mir auch gar nicht mehr leisten. Davon mal abgesehen ertrag ich die relative Nähe zu Alina eh nicht und ich bin sicherlich erheblich erleichtert, wenn ich mich wieder auf der anderen Seite des Erdballs befinde.
Meine restliche Reise wird sich auf Sydney und 1 oder vielleicht 2 Wochen Hongkong beschränken. Reine Schadensbegrenzung.

So jetzt drückt mir doch verdammt nochmal jemand die Daumen, dass ich die Karre loswerde und endlich von dem verflixten Kontinent fliehen kann.

Grüße in die Heimat und bis nächste Woche!!

Fotos der letzten Wochen…

5 Antworten zu “Verlängerung”

  1. Steffen sagt:

    Hey Sascha beis die Zähne zusammen !!!
    wir hams geschafft du du wirst es doch verdammt nochmal auch schaffen. :-) Keep on going mate!
    Die Karre bekommst du bestimmt noch verkauft.
    am besten du erzählt nicht zu viel und von der Generalüberholung.
    ich quetsch dir die daumen.

  2. Maddin sagt:

    sascha kopf hoch.dein auto wirst du schon los.es gibt immer irgend jemanden der sowas kauft.und mach auf jeden fall das beste aus deiner restlichen zeit.ich drücke dir die daumen.

    gruß maddin

  3. Vadda sagt:

    Oh man Sascha, wird Deine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Elias würde sagen: „Sasa Auto piele…“ Vielleicht hast Du recht, der will einfach nicht mehr, aber dass er das sogar dem einzigen möglichen Käufer zeigt, ist allerhand. Was soll ich sagen, zeig´s ihm, dem Blechhaufen. Vielleicht musst Du mal mit der Schottpresse drohen. Kann man nicht mit dem Schiff nach Neuseeland reisen und das Monster mitnehmen? Auf der Weltkarte sieht das so nahe aus…

  4. Nadine sagt:

    Ui ui ui!Ich drück dir auch ganz fest die Daumen!
    Ich drück dich!
    Nadine

  5. Janina sagt:

    Oh Mann, Sascha..! ich drücke!!! ganz doll!!!!