On the Road to Adelaide

30.12.2009 – 04.02.2010

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Hey meine Lieben!!

Wie gehts?? Will Kommentare sehen! Lang her seit meinem letzten Artikel. Ich war viel unterwegs und bin schließlich in Adelaide gelandet. Die Vorgeschichte. Mein letzter Beitrag ist vom 29. Dezember, also fang ich mal mit Sylvester, oder wie man hier dazu sagt, New Years Eve, an. Man lang her… Ich sag nur es war voll. Kathrin, Marco und meine Herrlichkeit trafen uns mit den Italienern Pietro, Carlo, Marco und Tommi im Circular Quay, mit der Absicht uns ins Gedränge rund um die Oper zu mischen. Vollgepackt mit Alkohol standen wir vor 2 Problemen. Alkohol verboten und um 4 war die Oper und alles rundherum dicht. Wir begaben uns kurzentschlossen und leicht angetrunken in die Fähre zur anderen Seite des Flusses und fanden den perfekten Platz. Eine Wiese mit Platz zum hinsetzen ziemlich nah an der beeindruckenden Harbour Bridge. Der Rest ist nicht weiter erwähnenswert, da man sich vorstellen kann was man so macht wenn man 7 Stunden aufs Feuerwerk wartet. Wir tranken, lachten, bestaunten das kleine Feuerwerk um 21 Uhr, reihten uns in die unendlich langen Schlangen vor den Dixies ein und tranken und lachten weiter. Dann kam das Feuerwerk und wir sangen und tanzten alle zusammen, begossen uns mit unserem übrigen Wein und dachten uns, so superkrass war das Feuerwerk jetzt aber auch nicht wie alle erwartet hatten. Aber das war wirklich nur nebensächlich. Danach bewegte sich die Masse Richtung Innenstadt und wir folgten. Dort sah es aus wie bei uns zur Weltmeisterschaft. Ich traf noch kurz meine Franzosen im Hyde Park und die Italiener verabschiedeten sich in Richtung Clubs in Kings Cross.

Am nächsten Morgen war es dann 2010 und ich hatte keinen Kater! Ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Einerseits hatte ich ein Probearbeiten am 4. Januar als Umzugsmensch, andererseits hatten Pietro und ich die Idee, zusammen nach Brisbane zu fahren und die Farmen abzuklappern. Ich entschied mich für Letzteres. Und so gebaben wir uns am 5. Januar auf die Reise, allerdings kurz entschlossen Richtung Süden und nicht Norden, also Brisbane. Zuvor hab ich mir noch nen neuen Reifen aufziehen lassen, was mit 100 Dollar erstaunlich günstig war und zusammen mit den Italienern in Ihrem Apartment zum Abschied nochmal lecker gekocht. Am morgen danach gings dann los mit einiger Verspätung. Pietro hatte sich ein paar Tage zuvor einen tiefen Schnitt im Fuß zugezogen, welcher darauf etwas anschwoll. So gings dann erstmal zum Arzt. 4 Uhr Nachmittags verließen wir dann Sydney und fuhren südwärts entlang der Küste.

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Als sich die ersten Strände und Küstenlandschaften vor uns erstreckten, wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war Sydney zu verlassen. Nach ca. 150 Kilometern passierten wir das kleine Coledale und sahen ein Schild mit der Aufschrift “Poker tonight”. Das konnten wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen und so mischten wir uns unter die Spielenden. Der Einsatz war mit 5 Dollar erfreulich gering und so war es auch kein Beinbruch als wir fast zeitgleich nach einer Stunde ausschieden. Draußen wurde es dunkel und als wir weiterfahren wollten verließen uns die Scheinwerfer meines Pajero. So verbrachten wir die Nacht auf einem Parkplatz direkt am Strand in Coledale.

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Wir kochten, oder besser gesagt Pietro kochte was leckeres zu essen und dann kam uns plötzlich ein Hund entgegen. Ein kleiner Bullterrier, der gleiche wie auf der Farm, aber etwas größer und durchaus noch respekteinflößender. Irgendwie machte die kleine Killermaschine einen verlorenen Eindruck. Wir beschäftigten uns den ganzen Abend mit ihm und irgendwann kam uns der Gedanke, falls der Kleine wirklich Herrenlos war, warum können wir ihn dann nicht mitnehmen. So ein kleiner Travelmate wär doch was schönes. Wenn dir einer dumm kommt, brauchst du bloß aufzupassen, das der Kleine keine Spuren hinterlässt. Außerdem ist so ein Hund natürlich auch in vielen anderen Dingen eine Bereicherung. Wir dachten nach und beschlossen schlafen zu gehen und den Morgen abzuwarten, ob er dann immernoch da ist. So musste ich den Kleinen aufwecken und aus dem Auto bitten. Nach dem Frühstück am nächsten Tag und nach einer kleinen Plauderei mit einem Mann, der uns eine Werkstatt empfahl, kam uns etwas kleines, aber gewichtig aussehendes Etwas entgegen. Unser Freund war zurück, etwas schmutzig und zerknittert, aber spielwütig wie eh und jeh. Nach Momenten der Freude kehrte dann doch die Vernunft zurück und wir beschlossen ihn dort zulassen. Nicht das es schon schwierig gewesen wäre Platz im Auto für ihn zu schaffen, aber der Gedanke das wir den Ausreißer von einer Familie entführen war dann doch zuviel.

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Weiter gings mit einem kurzen Abstecher ins Kangaroo Valley. War nicht so spannend, klingt aber gut. Wir fuhren weiter südwärts bis wir in Ulladulla einen perfekten Schlafplatz fanden. Wieder direkt am Strand, diesmal aber mit mehr Komfort. BBQ, Toiletten, anderen Reisenden und sogar Duschen. Perfekt, und alles for free! Das war uns dann sogar 2 Nächte wert.

Immer auf der Suche nach einem neuen Relais für die Scheinwerfer, arbeiteten wir uns weiter südwärts. Vorbei am traumhaft schönen Mysterie Bay, an dem wir eine Pause zum Mittagessen und Schwimmen einlegten, weiter zu den Mimosa Rocks, wo wir notgedrungen wegen Dunkelheit nächtigen mussten. Was nicht heißt, dass dies kein schöner Ort war. Hart keine schönen Orte zu finden an Küstennähe in Australien. Unser Relais haben wir unterwegs ersetzen können. Nachdem eine Werkstatt 200 Dollar zum Nachbauen haben wollte und Mitsubishi 3 Wochen veranschlagte um das Teil von Japan zu importieren, fanden wir einen Autoverwerter der uns das Relais einfach in die Hand drückte. Leider wurde das Problem dadurch nicht gelöst. Am nächsten Tag verschlug es uns nach Tathra, ein kleines Nest mit schönem Strand, unser letzter Tag an der Ostküste. Nun ging es über die Snowy Mountains.

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Okay, es liegt kein Schnee im Sommer, sieht aber trotzdem nett aus. Kurzzeitig hatten wir ein bisschen Angst um mein Auto, da es schon ziemlich steil bergauf ging und der alte Junge doch etwas heiß lief. Nachdem wir die Steigungen überwunden hatten arbeiteten wir uns entlang der wunderschönen Berge, inklusive dem höchsten Berg Australiens, weiter durch die Stadt Cooma bis auf die andere Seite des Gebirges. Nun ging es bergab und diesmal hatte ich mehr Angst um die Bremsen. 2 Stunden vor Sonnenuntergang fanden wir einen kostenlosen Campingplatz namens Geeki, direkt an einem Bergfluss. So nice. Wir kühlten uns im kalten klaren Wasser ab, kochten Abendessen und konnten sogar ein paar Känguhrus beobachten. Im Waschbecken hab ich eine verendete Spinne gefunden und direkt mit zu meiner Trophähensammlung gesteckt. Gott, ich bin geheilt! Den nächsten Tag haben wir hauptsächlich mit Autofahren verbracht. Es ging ca. 400 Kilometer weiter über das Hochland, vorbei am höchstgelegenen Dorf Australiens. Das Gebirge hinter uns gelassen, näherten wir uns unserem Ziel, Shepparton. Die erste Farm, die uns dort begegnete, beglückten wir gleich mit unserem deutsch – italienischem Charme. Wir fragten erfolglos nach Arbeit, konnten uns aber gut mit den Arbeitern dort unterhalten. Beide sind vor einigen Jahren aus Bayern nach Australien gekommen (ich hab das Gefühl das die meisten Deutsch-Australier ursprünglich aus Bayern stammen – warum nur??) und arbeiten hier auf der Farm eines Inders. Die Beiden empfahlen uns einen Ort zum kostenfreien nächtigen, den wir dann auch direkt ansteuerten. Nach einiger Suche verschlug es uns an den Murray River, der die Grenze zwischen NSW und Victoria markiert. Dort gab es jede Menge Gleichgesinnter und die Möglichkeit im seltsam bräunlichen Wasser des Flusses zu baden. Beim Abendessen vernahmen wir plötzlich ein gewaltiges, krachendes Geräusch unweit von uns entfernt. Dort ist mal eben ein mächtiger Teil eines Baumes abgebrochen und auf unseren Parkplatz gefallen. Ich denke das dies aus der extremen Trockenheit in diesem Gebiet resultiert. Tagsüber brennt dir der Fahrtwind bei 45 Grad im Schatten wie ein heißer Föhn im Gesicht und du überlegst dir dreimal eine zu rauchen, wenn die Schilder, die die Feuergefahr anzeigen auf “extrem” stehen. Nachts konnten wir dann wegen der anhaltenden Hitze kaum schlafen.

Frühmorgens machten wir uns auf einen Job zu finden. Wir fuhren die Straßen auf und ab, hielten an allen vielversprechenden Farmen an und erkundigten uns nach Erntejobs. Leider hieß die Antwort immer, Pfirsiche sind geerntet und Birnenernte fängt erst in 2 Wochen an. Wir machten uns auf nach Melbourne. Nur 2 Stunden später waren wir dort.

Bewölkt und 20 Grad weniger auf dem Thermosmeter klapperten wir unter dem Druck der untergehenden Sonne so viele Hostels wie möglich ab. Keines hatte auch nur ein freies Bett. So suchten wir in Strandnähe nach einem geeigneten Parkplatz. Man könnte sagen wir hatten ein Schweineglück im Unglück. Wir fanden einen Parkplatz, zwar direkt an der Hauptstraße in der Stadt, aber nur 50 Meter zum Wasser. Als wir aus dem Wagen stiegen erblickten wir öffentliche Toiletten auf der anderen Straßenseite und eine Stranddusche auf der Strandpromenade. Verzweifelt vor Stinken schnappten wir uns Handtuch und Duschbad und duschten uns in aller Öffentlichkeit und zudem im Regen. Ich hoffe die Passanten fanden das genauso lustig wie wir. Am nächsten Morgen verschafften wir uns dann endlich 2 Betten in einem Hostel. Nach einigem hin und her und der Feststellung, dass es in Melbourne teuer ist und es verdammt schwierig ist einen kostenlosen Parkplatz zum Unterbringen des Autos zu finden, einigten wir uns auf Adelaide als unser nächstes Ziel. Am Abend erkundeten wir die Stadt etwas, spielten Poker in einer Bar und parkten das Auto um, indem Pietro ohne Führerschein und natürlich ohne Licht rückwärts über die sechsspurige Straße fuhr, um dann Blitzschnell in einer Seitenstraße zu verschwinden.

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Am nächsten morgen beglückten wir die Great Ocean Road. Wir machten uns auf einen 4 tägigen Marathon ins heiße Adelaide. Auf dem Weg kamen uns die 12 Apostel entgegen. Nach zwei Tagen trafen wir Kathrin und Marco wieder, die sich im gemieteten Van ebenfalls der Great Ocean Road annahmen, sich jedoch schon wieder auf dem Rückweg nach Melbourne gemacht hatten. Ein schönes Gefühl soweit entfernt vom letzten Treff (Sydney) bekannte Gesichter zu erblicken. Wegen schlechten Wetters erreichten wir Adelaide schon einen Tag früher als geplant. Da wir unser Hostel in Adelaide erst für den nächsten Tag gebucht hatten, verbrachten wir die Nacht 40 Kilometer außerhalb des Zentrums am Maslin Beach. Der Strand dort war ebenso gigantisch, wie der Ausblick atemberaubend. Jedoch war es ziemlich windig und so machten wir uns am nächsten Tag zeitig auf zum Hostel. Die Kiwi Lodge, so der Name, sollte für uns ein ganz spezielles Hostel werden.

In dem seltsamen Mix aus Motel und Hostel schliefen wir in einem 7 Bett Zimmer. Die Nächte waren verdammt kurz, da das einzige Fenster zur Straße öffnete. Diese Straße kann man mit dem Trubel in Kings Cross vergleichen. Party und Schreihälse jede Nacht. Die Leute, die wir in dem Hostel kennen lernten waren,ich sag mal, nicht unsere Altersgruppe. Da war Chris. Ich schätze ihn auf verbrauchte 45 Jahre. Ein wirklich seltsamer, gesprächiger Typ. Sein Gesicht geprägt von Narben und tiefen Falten erzählt von einem wilden Leben. Er selbst meint, er reist seit Monaten herum und muss nicht arbeiten, da er Geld von früheren Tätigkeiten übrig hat. Später erzählte er von Drogengeschäften, bei denen er Millionen verdient hatte. Irgendwann hat er die Nase voll vom vielen Geld gehabt und begann sein Land zu erkunden. Je mehr Tage vergingen, desto verwirrter schien er. Einen Tag bevor er das Hostel verließ schrieb er uns kurioserweise seine Führerscheinnummer und die Telefonnummer seiner Mutter auf, falls wir nicht doch mal Lust haben Geld zu verdienen und ein paar Kilo Koks in Europa zu verticken. Falls etwas schief läuft sollen wir doch einfach irgendwem seine Führerscheinnummer durchsagen und derjenige boxt uns dann raus. Genauso wie seine anderen Kumpels, die komischerweise aber alle im Knast sitzen oder saßen. Mal davon abgesehen war Chris ein hilfsbereiter und irgendwie herzenswarmer Mensch, den die Einsamkeit zu schaffen machte. Denk ich jedenfalls, seitdem ich ihn desöfteren allein und vor sich her flüsternd nachts vorm Fernseher sah. Chris, ich wünsch dir alles Gute. Eine weitere spezielle Persönlichkeit ist Allen. Er ist 57 Jahre alt, wirkt mit Vollbart und kleiner Statur wie der Lieblingsonkel eines jeden Neffen. Er hat 34 Jahre als Krankenschwester in der Abteilung für psychisch Kranke gearbeitet und ziemlich viel Elend gesehen. Am Ende wurde er aus seinem Job geworfen, weil er wohl irgendwas in seinem Krankenhaus aufdecken wollte. Mit ihm war es meistens spannend sich zu unterhalten. Dank seines kleinen Alkoholproblems haben wir uns einmal mittags im naheliegenden Pub ein paar Bierchen gegönnt und über die Welt, die korrupte Gesellschaft und Frauen unterhalten. Wirklich nett. Ich glaube Allen ist ein guter Mensch, der im Herzen sehr jung geblieben ist, der jedoch auch von seiner Vergangenheit dahingerafft wurde. Take care, Allen. Da war noch Heike, eine in die Jahre gekommene Ex-Bayerin. Auch ihr Leben scheint etwas aus den Fugen geraten. Lebt sie seit Monaten mit ihrem Mann in dem Hostel in einem fensterlosen Zweibettzimmer. Ihr Mann, ein IT-Spezi, ist schon ewig auf der Suche nach Arbeit in seiner Branche, aber irgendwie hatte ich das Gefühl die Hoffnung hatte ihn schon längst verlassen und die deprimierte und pessimistische Stimmung trug er über seine Frau nach Außen. Er selber war nie außerhalb seines Raumes, in den man von der Treppe im Flur aus hineinschauen konnte. Kopf hoch ihr Beiden! Da war dann noch Chris, ein deutscher aus dem Pott und eine deutsch-sprechende Italienerin, deren Namen ich mir einfach nicht merken konnte. Er arbeitet seit 6 Jahren bei der Spaßkasse und wollte sich nun mal eine 6 monatige Auszeit nehmen. Er ist 22 Jahre alt. Die Beiden lernten sich in Sydney kennen und reisten seitdem zusammen. Anfangs dachte ich nicht so gut über ihn, da er leicht arrogant, wie mir schien, über unser liebgewonnenes Hostel hergezogen ist. Durch seine offene, lustige Art hatten wir dann doch alle zusammen ein paar schöne Tage. Und da war noch Mark. Mark ist 28. Er stammt aus Brisbane und alles war auch gut für ihn. Dann schlief seine damalige Freundin mit seinem besten Freund und er musste raus aus Brisbane, raus aus Queensland. So trafen wir ihn dort im Hostel. Er kommt aus der Bar und Restaurant Szene und arbeitet jetzt als Koch in einem Restaurant in Adelaide. Zum Australia Day präsentierte er uns seine Kochkünste und bereitete marinierte Shrimps, Bouletten und Steaks vor. Diese wurden dann beim BBQ am Strand in Adelaide verputzt. Nach 3 Tagen in der Kiwi Lodge kam dann Kathrin zu uns. Ich holte sie vom Busbahnhof ab und brachte sie zum Hostel. Nach nunmehr 5 Wochen waren wir dann wieder alle 3 zusammen.

Und so vergingen die Tage. Ich ging zweimal mit Pietro ins Casino. Ich konnte mich nie wieder überwinden zu spielen, Pietro verlor alles. Samstags haben wir dann einen drauf gemacht, sind in der Woche ab und zu an Adelaids Strände. Kathrin und ich sind desöfteren los und haben Bewerbungen verteilt, Pietro ging 3 mal die Woche seiner Arbeit als Küchengehilfe nach. Ich verbrachte einen tollen Tag mit Maria, einer Dänin, die ich in der Lobby vom Hostel kennen lernte. Wir spazierten durch den Botanischen Garten, durch China Town und schauten uns “It’s Complicated” im Kino an, was schmerzte, da ich natürlich einlud. Leider musste sie einen Tag später weiter Richtung Perth.

Als dann das Big Day Out Festival in die Stadt kam waren unsere Betten dann ausgebucht und wir mussten das Hostel verlassen. Wir machten uns auf ein paar Tage kostenlos am Strand zu campen. Einmal wurden wir geweckt und sollten Bußgeld bezahlen, doch Pietro hatte sich eine nette Story bereitgelegt und so hieß es nur “no worries”.

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Eines Morgens bei McDoof im Internet stieß ich auf eine Anzeige, die zum Orangen Picken in Waikerie aufrief. Wir beraten uns und beschlossen es zu versuchen. Vorher mussten wir nochmal zum Hostel, da Pietro seinen Mp3-Player dort vergessen hatte. Die Rezeptionistin erzählte von Jobs in einer Fleisch Produktion. Dort sollte es reichlich Arbeit als Cow-Killer, Zerstückler und Packer geben. So ging es dann als erstes nach Murray Bridge zur Fleischfabrik. Es gab reichlich Jobs, nur nicht für Backpacker. Eigentlich war ich ganz roh, äh, froh hier wieder die Fliege zu machen. Dann ging es nach Waikerie. Ein kleines Nest mit einem Supermarkt, einer Tankstelle, einem Campingplatz und einer Bushaltestelle. Wir machten uns auf den unverschämt teuren Campingplatz. Wir schlossen gleich Bekanntschaft mit ein paar Leuten, die ebenfalls zum Orangen Picken verdammt sind. Netterweise werden wir jetzt immer von Flo, einem netten deutschen Backpacker, morgens zur Farm geleitet, da wir ohne funktionierendes Licht halb sechs Uhr morgens aufgeschmissen sind. Leider ist auch diese Arbeit sehr enttäuschend. Man bekommt oftmals schlecht bestückte Bäume vorgesetzt, bei denen man dreimal solange braucht einen Bin zu befüllen wie mit normalen “guten” Bäumen. So quälten wir uns zu dritt am ersten Tag auf 5 Bins á 25 Dollar. Macht 125 Dollar minus Steuern, also um die 110 Dollar durch drei. Macht einen Stundenlohn von gut 4 Dollar. Geht das nur mir so oder kann man sich hier wie ein ausgebeuteter Backpacker fühlen. Langsam fang ich an dieses Arbeitssystem in Australien zu hassen. Es gibt soviele Backpacker die um Arbeit betteln, inklusive uns, dass die Farmer bloß eine Anzeige im Internet schalten müssen und alle rennen notgedrungen hin und stellen nach 1 Tag fest, dass diese Arbeit völlig sinnlos ist und hauen wieder ab. Pietro ist nach dem ersten Tag wieder nach Adelaide zurück, wo er in seinem 15 Wochenstunden-Job mehr verdient als hier bei 60 Stunden. Kathrin und ich haben leider nicht das Privileg einer anderen Arbeit und werden uns noch bis nächste Woche weiterquälen. Gestern haben wir zu zweit 4,5 Bins geschafft und unseren Stundenlohn auf ca. 6-7 Dollar geschraubt. Wenn man bedenkt das wir auf eine Farm 30 Kilometer entfernt geschleppt wurden und mein Auto nunmal Benzin liebt, fällt der Stundenlohn dann doch wieder auf 5-6 Dollar. Heute hat es geregnet und wir entschieden 5:30 Uhr morgens, bereit zum Arbeiten, lieber hier zu bleiben und schliefen bis 2 Uhr Nachmittags. Nun hocke ich in der Bibliothek von Waikerie und hoffe das mein Limit von 30 Megabyte (!) ausreicht um diesen Beitrag online zu stellen. Also machts gut und lasst euch nicht vom kalten Wetter ärgern. Ich hoffe der nächste Beitrag lässt nicht so lang auf sich warten.

Bis dann!!

Fotos:

NYE

Sydney – Melbourne

Melbourne – Adelaide

Adelaide

Waikerie – Orange Picking

4 Antworten zu “On the Road to Adelaide”

  1. Vadda sagt:

    Na, wie von Rosamunde P. hört sich das alles im Moment nicht an. Ich kenne den Film zwar nicht, aber bei dem Wetter Orangen pflücken, da passt wohl eher „…stirb langsam..“. Also besser hat uns Dein Bericht von den europäischen Aussteigern gefallen. Vielleicht ist es eine gute Idee möglichst weit weg zu denen zu fahren, die mit den Herden von Backpacker nicht überschwemmt sind. Von mir keine Verhaltensmaßregeln, Du wirst das schon machen.

  2. Isa und Marko sagt:

    viele Liebe Grüße aus der guten, alten “Elsa”. Wir lesen Deine Berichte sehr gern, du schreibst wirklich gut. Weiter so und noch viel Glück. Wir sehen uns dann.

  3. Vadda sagt:

    Hey Saschen, wir frieren, es ist grau in grau, der Schnee ist hart und schmutzig und überall wo man hinkommt wird man mit der respektlosen Variante des „Du“ angeredet. Auch wenn manche Fotos wie das Paradies aussehen und wir wissen, dass Orangen im Paradies anders verteilt werden als ihr sie erwerben müsst, lasst Euch sagen: Das ist das Paradies… wenn auch die Variante des 21. Jahrhunderts. Um im Vergleich zu bleiben, passt nur auf, dass Euch keine faulen Äpfel gereicht werden von den Schlangen unserer Zeit. Die Silvesterfotos schienen eher aus der Gegenwelt.

  4. Schwester sagt:

    Hi Sascha, ich habe deinen Text noch nicht richtig gelesen (ellenlang)…
    aber bin nathürlich interessiert wies dir geht und was du machst. Ich hoffe du veranstaltest nicht nur Sauftouren und treibst in den Tag hinein. Ich würde mir wünschen, du hättest einen Job. Ich hoffe du willst nicht bis zum August nur rumhängen und vielleicht zum Alki werden, hi :-) (mein ich aber ernst)…Wenn sich dort nichts weiter ergibt, ausser in den Tag hineinleben, dann bitte ich dich nach Hause zu kommen, denn dann mach ich mir Sorgen.
    Werde deinen Text ausführlich lesen.
    Hab dich lieb
    Deine Schwester, Kussi