Archiv für Dezember 2009

Weihnachtszeit

Dienstag, 29. Dezember 2009

Gruß aus Sydney!

Hier alles was in den Tagen seit dem letzten Eintrag passiert ist, oder fast alles.

Die ersten 6 Tage wohnte ich mit Kathrin im Hostel. Verbrachten die Tage mit Rauchen auf unserem eigenen Balkon, feiern gehen, essen und allgemeines Abgammeln. Wir lernten Pietro kennen mit dem wir noch jetzt Kontakt halten.

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Ebenso lernten wir Paul kennen. Ein echter kanadischer Naturbursche, 150 Kilo schwer, bärtig wie der Weihnachtsmann und seid Jahren on the road. Mit 14 aus dem Elternhaus, hat in der 2. Liga American Football gespielt (was sonst wenn man so gebaut ist wie Paul), hat in der ersten probe gespielt und daran gescheitert dass die anderen etablierten Spieler noch größer und schwerer waren als er. Er hat so ziemlich alle Berge auf dem amerikanischen Kontinent bestiegen und hat selbst eine extrem harte Wanderung zu den Maya Pyramiden unternommen, was bedeutet 200 Kilometer durch den tiefsten Dschungel. Er und seine Begleiter konnten sich danach neben die anderen 500 Leuten vor ihnen ins “Gästebuch” eintragen. Danach war Montag, Kathrins Ex kam aus Deutschland. Die Beiden zogen in ein anderes Hostel und ich in meine Karre. Weihnachten war Party angesagt im Apartment der Franzosen. War nett, hab nur Französisch verstanden. Kathrin und Marco bevorzugten den Club. Am 26., Boxing Day, ging es auf Rabattjagd. Ich erkämpfte mir eine Sonnenbrille, 70 Prozent reduziert, von Morrissey. Die Folgenden Tage hat es nur geregnet. Mein Alltag besteht aus Aufstehen, 30 Minuten zu Kathrins Hostel latschen, duschen, meist bei Mcdoof oder BK essen, langweilen, zurückgehen. Achja den einen Tag hab ich sehr viel Geld im Casino verloren, nachdem ich nach einer krassen Glückssträhne einfach nicht aufhören konnte. Am Tag darauf wurde mein Handy geklaut, was mich wegen einer Verabredung, völlig nervös machte. Wenn ich denjenigen (hockt im scheiss Hostel rum) erwische, wende ich das amerikanische Gesetz für Verbrecher an. Achso und bei mir sind jetzt schon 2 Reifen im Arsch. Aber was solls. Stay positive würde Mike Skinner jetzt sagen, oder würde er sagen: Too much Brandy? Keine Ahnung, auf jeden Fall nachträglich allen schöne Weihnachten! Schaut mal am 31. ob es eine Übertragung aus Sydney gibt (2 Uhr Nachmittags bei euch).

Bis dann und so!

In einer anderen Welt

Donnerstag, 17. Dezember 2009

4.12 – 15.12. 09

Sonnige Grüße aus Sydney ihr Lieben! Da ich weiß wie beschissen das Wetter bei euch daheim ist, trau ich mich garnicht von meinem Strandtag vom Bondi Beach in Sydney zu berichten, mit den Meterhohen Wellen, den angenehmen 30 Grad, meinem leichten Sonnenbrand und den äußerst leicht bekleideten Strandmodels. Sorry.

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Als ich das letzte Mal berichtete waren wir auf dem Sprung nach Canberra. Wir steuerten also den Freeway an und blieben dort für knappe 400 Kilometer. Der Weg in die Stadt war ziemlich ereignislos. Wieder unendliche Outbackweiten, tote und ordentlich an den Straßenrand gelegte Känguruhs und ziemlich wenig Verkehr. Ich muss sagen mein Schätzchen läuft besser den je, auch wenn ich jeden Tag etwas Wasser nachkippen muss. Nachmittags erreichten wir Canberra von Norden.

Wir besorgten uns einen Stadtplan und stellten fest, das es hier nicht allzuviel zu entdecken geben wird. Wir kauften bei Woolworth das Wichtigste ein und checkten unsere Mails bei McDoof, wo sonst. Als die Nacht hereinbrach machten wir uns auf den Weg zum nächstgelegenen Campingplatz, der unfassbarer Weise ausgebucht war. Notgedrungen kurvten wir stundenlang durch Canberra, um ein schattiges Plätzchen zu finden, an dem wir in meinem Auto übernachten konnten. Kurz vor einem Tobsuchtsanfall fanden wir einen gleich neben einem Zementwerk, oder soetwas Ähnlichem. Am nächsten morgen begaben wir uns auf den nächstgelegenen Campingplatz. Wir verbrachten den Tag mit absoluter Entspannung (der Tag an dem ich den Beitrag über Griffith verfasste), und beschlossen am nächsten Tag etwas aktiver zu sein. Wir besuchten das äußerst moderne und beeindruckende Parlamentsgebäude, welches sich unglaublich besucherfreundlich gab, mit vielen Informationen, einem Café und jeder Menge weicher Ledersessel.

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Nur zu empfehlen. Danach drehten wir eine Runde zum See, welcher die Stadt in zwei Bereiche teilt. Zu sehen gab es ein paar schöne, große Gebäude, die zumeist Museen beinhalteten, eine 145 Meter hohe Wasserfontäne mitten auf dem See und ein, für mich, hochinteressanten Oldtimer Treff. Abends dachten wir über die nächsten Tage nach und beschlossen WWOOFEN zu gehen. WWOOFEN bedeutet das man auf einer Farm ein paar Stunden am Tag arbeitet und man dafür Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten, sozusagen als Bezahlung, bekommt. Kathrin bekam prompt eine Zusage von einer Farm, ca. 80 Kilometer nördlich von Sydney. Da wir uns nicht vorstellen konnten weitere sinnvolle Tage in Canberra verbringen zu können, machten wir uns gleich am nächsten Morgen auf den Weg zur Farm.

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Es ging also nach drei Tagen wieder los, ganz nach meinem Geschmack. Ein bisschen Wasser reinkippen, Öl checken, Reifen überprüfen und ab auf die Piste. Wir fuhren ca. 6 Stunden. Im Auto waren es realistisch geschätzte 50 Grad, wir machten insgesamt vielleicht 10 Minuten Pause und waren gespannt auf das was uns erwartete.
Mit etwas Wehmut nach der Menschen und Partys quälten wir uns von Süden nach Norden durch Sydney, durchquerten eine kleine Stadt namens Hornsby, schlängelten uns auf Serpentinen entlang einen Berg hinunter (mit dem beunruhigenden Gedanken im Hinterkopf, das mein armes Auto das auch wieder zurück schaffen muss), und erreichten eine Fähre, die uns über einen Fluss ins Land der von der modernen Gesellschaft abgekapselten Farmer und Farmerinnen brachte. Ich lüge nicht wenn ich euch sage, dass direkt nach der Überquerung des Flusses, was keine 5 Minuten dauerte, unsere Handys keinen Empfang mehr hatten, die Straßen unbefestigt wurden und mit zahllosen Schildern auf Kühe, Pferde und die üblichen Verdächtigen hingewiesen wurde, das diese dumm auf den Straßen herumstehen könnten. Astrein, dachte ich mir, unbefestigte Straße und ab und zu ein Hinderniss, kein Problem. Das sind dann die Momente, bei denen ich kindlich vor Freude jappse, dass ich mir einen Jeep gekauft habe. Für solche Fahrten müsste man irgendwo anders auf der Welt Geld bezahlen. Nach 40 Kilometern erreichten wir, ich mit einem Grinsen im Gesicht, die Farm “Kathmandu” von Terry und Ursula Prince. Auf dem Weg dahin ist uns nicht allzuviel Zivilisation entgegengekommen. Zwischen Fähre und Farm lag die City von St. Albans, die aus einem Pub bestand. Ansonsten nur mehrere Schilder, die auf die Farmen der Einwohner St. Albans hinwiesen. Vorsichtig schlängelten wir uns den Weg hoch auf das Grundstück von den Beiden und parkten neben einem schön bunt bemalten Caravan. Sofort wurden wir herzlich begrüßt von Ursula und ihrem kleinen Muskelhund Gipsy. Doch bevor wir weiter fortfuhren, musste ich mich mit Erstaunen feststellen das mein rechtes Hinterrad platt war. “Glück gehabt dass ihr hier geparkt habt, denn ihr werdet in dem Caravan schlafen.” Ein geringer Trost. Nachdem ich das kaputte Rad in die Tiefen meines Hinterkopfes verdrängt hatte, ging es dann ans Auspacken und ans Begrüßen des Hausherrn. Terry, ein graubärtiger, schätzungsweise Mittsechziger, mit trägen Augen, der immer so aussieht, als ob er gleich zusammenbrichen würde. Er ist das genaue Gegenteil von Ursula. Sie ist eine echte Schweizerin, genauso wie man sich eine Schweizerin vorstellt. Zwar cirka genauso alt, aber fit wie eh und je. O-Beinig erklimmt sie mühelos jeden Berg, freut sich über jedes einzelne Tierchen, dass ihr vor die Augen kommt, ob Ameise, Spinne oder Vogel.

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Kurz zur Farm. Eigentlich ist es keine richtige Farm. Es ist mehr ein riesiges Grundstück mitten im Busch, welches sich einen Hügel hinaufschlängelt. Darauf befinden sich 1 Haus, 1 Garage, 1 Caravan, 2 Menschen, 2 Pferde, 1 Hund, 8 Hühner und ein Gockel, ab und zu ein 2 Meter langer Leguan, der sich gerne mit dem Muskelzwerg anlegt und unzählige unterschiedlichste Wald- / Buschbewohner. Alles ist völlig unabhängig durch Solaranlage und Bergwasser. Das Gefieder und die Pferde werden mittags immer freigelassen und toben sich völlig frei auf dem Grundstück aus. Es kann sozusagen passieren, dass, während man grad bei einer Zigarette im geparkten Auto chillt, dich ein großer Pferdekopf durchs offene Fenster fragend anstarrt, die Hühner im Schatten der Bäume neben dem Caravan dümmlich in den Boden picken und die liebenswerte Killermaschine meckernd vor einem Stock lauert, der sich einfach nicht bewegen will. Wenn man dann den Drang hat sein verdautes, überaus köstliches Mittag (köstlich natürlich bevor es verdaut wurde) ans Sonnenlich zu transportieren, schwingt man sich auf das unglaublich Plumpsklo, welches mitten am Hang angebracht wurde und zur Hangseite völlig offen ist, und genießt den famosen Ausblick, während man, naja, kackt. Einfach genial. Ursula kam in den 70ern nach Australien und traf hier ihren Terry. Terry selbst ist gebürtiger Engländer, hatte lustigerweise für mehrere Jahre in der Schweiz gelebt und gearbeitet, im gleichen Dorf in dem auch Ursula wohnte. Auch er kam in den 70ern hauptsächlich wegen des kalten Schweizer Wetters nach Australien underst dort trafen sich die Beiden. Tolle Geschichte. Jedes Mal als wir gemeinsam beim Essen saßen erzählten uns die beiden mehr und mehr aus ihrem Leben. Das krasseste, wie ich fand und weil man das dem gebrechlich aussehendem Mann nicht zugetraut hätte, ist, dass er sich jedes Jahr auf sein selbstumgebautes 70 Jahre altes Motorrad mit Beiwagen schwingt, und auf einem ausgetrockneten Salzsee in den USA, zusammen mit anderen, Geschwindigkeitsrennen fährt. Das ist ganz offiziell und dort werden alle Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt die es gibt. Autos schaffen dort um die 1000 Kilometer die Stunde, Motorräder knappe 600. Terry ist Rekordhalter (!) für Motorräder mit Beiwagen, die zwar wegen dem Extra an der Seite nicht ganz so abgehen, aber immerhin auf über 160 Stundenkilometer kommen. Man bedenke sein Motorrad ist aus den dreißiger Jahren. Er hat es komplett umgebaut, hundert PS hinzugefügt und absolut und enorm tiefergelegt. Wie man sich doch in Menschen täuschen kann.
Ich könnte seitenweise über die Storys der Beiden am Esstisch berichten, aber das würde den Sinn eines Blogs widersprechen. Ich kann nur sagen, dass wir dort sieben schöne Tage verbracht haben, nicht soviel gearbeitet haben und wundervoll versorgt wurden. Wir sind mit den Pferden geritten, haben zusammen mit Ursula den Busch erkundet, haben aus selbst gefällten Bambusbäumen ein Vordach und ein Pavillon für ihre Rosen gebaut, ich hab mich an große Spinnen gewöhnt (hab sogar 2 Spinnenhäute mitgehen lassen), wir haben ausgiebig mit der süßen Kampfmaschine gespielt und geschmust, haben gemütliche Fernsehabende verbracht und haben sogar an einem Dorffest teilgenommen.

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Das Fest war eigentlich eine Weihnachtsfeier bei der Dorffeuerwehr. Ich denke es waren alle aus der Gemeinde anwesend. Um die 100 Leute vielleicht. Alle mit dicken Allradjeeps und fast alle mit ihrem Hund. Die Atmosphäre war schon erstaunlich. Alle kennen sich, haben Spaß, unterhalten sich, tanzen (allen voran Terry und Ursula), lassen ihre Hunde von der Leine und trinken Bier, welches sie sich selbst mitgebracht haben oder im Pub gekauft haben. Schon verwirrend wenn mitten im Dezember bei angenehmen 30 Grad, ein Feuerwehrauto mit Blaulicht und einem Mann, verkleidet als Santa Klaus, an einem vorbeifährt und den Kindern Geschenke mitbringt. Die Leute waren sofort freundlich und offen zu uns und rückten mit ihren Geschichten heraus. Ein ganz besonderer Abend wie ich finde.

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Zum Abschied bekamen wir sogar jeder ein kleines persönliches Geschenk von Ursula überreicht und ich nahm mir vor die Beiden am Ende meiner Reise auf jeden Fall noch einmal zu besuchen.
Mit gewechseltem Hinterrad ging es dann zurück nach Sydney. Die nächsten Tage sind wir erstmal in einem netten kleinen Hostel untergebracht, in Kings Cross, unweit von unserem letzten Hostel vor unserer Abfahrt aus Sydney vor über 3 Wochen. Nun sitz ich hier, frisch rasiert und musste vor ein paar Minuten vom Balkon aus beobachten, wie sich eine ganz normal aussehende junge Frau 5 Mal den Finger in den Hals steckte und sich übergab und ich denke: Ich bin wieder zurückgekehrt in die moderne Gesellschaft, zurück in der realen Welt. Terrys und Ursulas kleines Paradies, fernab von alldem Trubel hier in der Großstadt, war vielleicht nur ein kurzer Traum von einer anderen, friedlicheren Welt. Ich weiß nicht was die nächsten Tage bringen, aber ich denke ich bleibe hier bis Neujahr und dann mache ich mich vom Acker.

Viele liebe Grüße nach Hause zu euch und schöne Weihnachten! Hab euch alle lieb!

Fotos aus Canberra…

Fotos aus St. Albans…

Griffith

Sonntag, 06. Dezember 2009

23.11. – 04.12.2009

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Hallo ihr daheim!

Die Uhr zeigt jetzt 20:44 Uhr (05.12.) und ich nutze meine, heute, durch ganztägiges lesen und abspannen im Auto gewonnene innere Ruhe, um euch von den letzten 2 Wochen in Australien zu berichten. Nachdem uns der Zwiebeljob in der Metropole (Scherz) Griffith zugesagt wurde, ließen wir uns von der Stadt-Information, die es hier in jeder noch so kleinen Stadt gibt, einen kostenlosen Campingplatz unweit von Griffith empfehlen. Dort angekommen suchten wir uns ein schattiges Plätzchen (wenn man den einen Baum so nennen kann, siehe Fotos), und versuchten so früh wie möglich zu schlafen. Arbeitsbeginn sollte 4 Uhr morgens sein, Treffpunkt halb 4 am Hostel in der Stadt. Ein paar Franzosen waren ebenfalls anwesend, offensichtlich aus dem gleichen Grund wie wir. Die armen Teufel…

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Pünktlich halb 3 Uhr morgens klingelte der Wecker. Wir machten uns fertig. Die Franzosen am anderen Ende des Platzes standen ebenfalls auf. Kurz nach 3 versuchte ich dann das Auto zu starten. Klappte, wenn er sich auch etwas zur Wehr setzte. Doch Als ich das Licht anmachen wollte ließ er (der Jeep) mich im Stich. Super, erster Arbeitstag und die Batterie ist leer. Der Motor lief, also zog ich ein wenig am Choke, um ihn auf Touren zu bringen. Half nix. Die Franzosen ordneten sich schon zu einer 4 köpfigen Kolonne. Als sie losfuhren ergriff ich meine Chance und reihte mich, mit der Kraft des Verzweifelten in das Kolonnenende ein. Nach ein paar Metern sprang das Licht an und wir konnten uns erstmal für die nächsten 15 Minuten entspannen. Kathrin schmierte neben mir im Auto unser Frühstück und wenig später erreichten wir das Hostel. Wir parkten alle ordentlich am Hostel und warteten. Es hieß um 3:30 Uhr kommt ein Bus und sackt die Leute vom Hostel ein und die Leute die selber fahren können einfach dem Bus hinterher fahren. 5:30 Uhr dann, entschieden die Franzosen schließlich einfach auf eigene Faust zur Zwiebelfarm zu fahren. Wir schlossen uns ebenfalls, etwas verwirrt und genervt, an. Nach weiteren 20 Minuten Fahrt erreichten wir die Zwiebelfarm. Es war noch dunkel und viele Zwiebelpflücker waren mit Kopflampe bewaffnet schon am Werk, frühzeitig arbeitend, um der erbarmungslosen australischen Sonne zu entgehen. Die Mischung aus Dunkelheit, kleinen Lichtern der Arbeiter weit und breit und der seltsamen dumpfen Geräusche der Scheren, mit denen jeder die Zwiebeln beschneiden musste, war recht surreal. Auch hier war wieder warten angesagt, bis dann doch mal jemand mit Zettel, Stift und Plan uns Scheren gab und uns zeigte wo wir anfangen können. Die Sonne war bereits aufgegangen und erstreckte sich bedrohlich am weiten Horizont. Nun konnte man auch die anderen Arbeiter erkennen, wie sie ihre Eimer mit großen roten Zwiebeln füllten. Es hieß 40 Dollar für einen Bin. Okay, was ist ein Bin? Naiv dachten wir, das die die Eimer meinen. Wir wurden eines besseren  belehrt, als die Traktoren anrollten und riesige, leere Kästen ankarrten. Das waren die sogenannten Bins? Ich hab mir gleich mal grob ausgerechnet, wieviele Eimer Zwiebeln wir sammeln mussten, um einen Bin vollzukriegen. Der Bin war ca. 1 mal 1 mal 0,5 Meter groß, was einen halben Kubikmeter macht oder 500 Liter. Ein normaler Eimer fasst 10 Liter, also brauchten wir um die 50 Eimer. Nicht schlecht Eckardt. Wir fingen an. Nach ca. 2,5 Stunden hatten wir den Bin gefüllt. Wir waren im Arsch. Wir haben 40 Dollar verdient, was durch 2 Leute 20 Dollar für jeden macht, was so irgendwas um die 13 Euro sind. Ganz schön bescheidener Stundenlohn. Ich glaub, da gehen noch 30 bis 40 Prozent Steuern ab.

Rauchend und verschnaufend berieten wir über dieses Dilemma und beschlossen, wenigstens noch einen Bin zu schaffen, damit sich das frühe Aufstehen wenigstens etwas gelohnt hat. Zu der Zeit war die Sonne am hellblauen Himmel auf ihrem Zenit. Wir wechselten auf ein anderes Feld, auf dem wir nun anstatt die roten, die weißen Zwiebeln ernten durften. Natürlich war der Bin für diese minderwertigere Sorte nur noch 35 Dollar wert. Nach 3 Stunden schweißtreibender Plackerei, mit wunden und verkrampfenden Fingern, Sonnenbrand im Nacken, völlig entnervt von den vielen, völlig hirnrissigen Fliegen die am Liebsten deinen Kopf durch Mund-, Nasen, und Ohrenöffnungen von Innen erkunden würden, holten wir uns das zweite Ticket (löst man später gegen Geld ein) ab und fuhren ziemlich erschlagen zurück zu unserem Camping Platz. Wir überlegten uns das Ganze eine Woche anzutun, um dann wenigstens plus minus Null wieder nach Hause zu gehen. Wir stellten abermals den Wecker, diesmal auf 4 Uhr. Wir verschliefen. Mit der gewonnenen Gleichgültigkeit schliefen wir gemütlich aus, bis lange nach 12 Uhr. Wir verbrachten dann etliche Zeit mit im Bett liegen, Dösen, Cola trinken und Rauchen. Ab und zu aufstehen um zur Toilette zu gehen, wieder zurück ins Auto aufs Bett. Es war sehr warm, wir ließen Türen und Fenster offen, weit und breit keine Menschenseele. Der Geruch von vollkommener Freiheit lag in der Luft. Wer würde das schon für lächerliche 70 Dollar gegen harte anstrengende Arbeit eintauschen? Ein schöner Tag.

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Abends fing es zu regnen. Gut für uns, dachten wir, im Regen wird nicht geerntet. Der Regen wandelte sich dann in ein wunderbar heftiges Gewitter und wir machten es uns zusammen mit 4 Liter Goon (billiger Weißwein) im Auto gemütlich, tranken, beobachteten das Unwetter und erzählten. Wieder schliefen wir bis hinein in den Nachmittag. Langsam gewöhnten wir uns an Griffith. Wurden Stammkunden in den Einkaufshallen und bei McDonalds. Nach 4 Tagen auf dem Campingplatz direkt am W..see begaben wir uns abermals in die Stadt, als der Motor plötzlich üble Geräusche machte und kaum noch Leistung brachte. Ich parkte ihn auf dem nächsten freien Parkplatz und musste erschreckender Weise feststellen, das leichter weißer Rauch unter der Motorhaube empor stieg. Ich war angepisst bis zur blanken Hilflosigkeit. Was nun? Auto im Arsch? 4000 Dollar für die Katz? Direktflug zurück nach Deutschland? Langsam. Erstmal Motorraum beschauen. Okay, keine Kühlflüssigkeit mehr. Hab ich den Motor jetzt eigenhändig zur Strecke gebracht, weil ich nachlässig war und nicht regelmäßig nachgeschaut habe? Der freundliche Typ im Autoteile Geschäft meinte nur Wasser rein und zur nächsten Werkstatt auf undichte Stellen untersuchen lassen. Nur war es Freitag abend. Er machte mir direkt einen Termin Montag früh halb 9. Also quälten wir uns ganz vorsichtig auf den nächsten Campingplatz. 80 Dollar für eine Woche mit Strom und sehr guten Toiletten. Ein gutes Angebot. Unwissend über den Zustand des Autos, verstrichen die Tage. Regelmäßig erkundeten wir nun Griffith zu Fuß. Was hieß 3 Kilometer zu McDoof und zurück. Es gibt genau 2 Straßen in Griffith die belebt sind. Beide laufen parallel zueinander und bieten kleine Geschäfte, Shopping Center und am Ende der einen Straße lag McDonalds, was für uns, dank freiem Internet essentiell wurde. Dort konnten wir Freitagabend beobachten, wie die gesammelte Griffither Dorfjugend völlig besoffen aus der Disko hinein zu McDonalds stürmte, sich mit Pommes und Cola bewarfen, ein unglaubliches Chaos hinterließen, die ganze Zeit irgendwas mit “Fuck!” stammelten und sich wieder aus dem Staub machten. Montag früh brachten wir das Auto in die Werkstatt, die aus einer Person bestand. Ein ziemlich dicker, dunkelhaariger Mann, mit einem vertrauenswürdigen Mitgefühl uns armen Backpackern gegenüber. Ich überließ ihm das Auto und wir besorgten uns das billigste Zelt was wir finden konnten. Abends wurde es erbärmlich kalt und es regnete. Die Nacht in dem Zelt war die bisher beschissenste in Australien, zudem ich auch wieder etwas krank geworden war. Am späten Nachmittag konnten wir das Auto erfreulicher Weise schon wieder abholen. Peter, der Mechaniker hatte mehrere leckende Schläuche und Rohre gewechselt und das Auto wieder zum Laufen gebracht. Ich war erleichtert und 370 Dollar ärmer.

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Wir bemühten uns die restliche Zeit erfolglos um Jobs in der Region zwischen Sydney und Griffith und beschlossen ernüchtert, auf dem Rückweg in die heimliche Hauptstadt, wenigstens der echten einen Besuch abzustatten. Lebewohl Griffith. Hallo Canberra.

Bis zum nächsten Mal!

Zu den Fotos…