October 4, 2014

Tag 6 – Kennenlernen

life, Sascha, work Post by

4 Wochen.

Halte eine Woche durch. Wenn du das geschafft hast, dann kriegst du auch zwei Wochen hin. Wenn du zwei Wochen geschafft hast, dann schaffst du auch einen Monat. Wenn der Monat um ist, dann hältst du auch ein halbes Jahr durch. Wenn du dann ein Jahr hier bist, dann...

Er winkt lässig über seine Schulter. William Walsh, kurz Bill, ist der Produktionsleiter im MPD, Media Production Department von Aramco. Und er ist mein Chef dort. Er ist Ire, relativ klein und korpulent, trägt Poloshirt und eine ausgewaschene Jeans. Seine Stimme ist laut und deutlich. Seine Sätze selten frei von kleinen Scherzen und Sprüchen aus der Sicht eines anderen. Er ist mir sehr sympathisch. Er wirkt verständnisvoll und hilfsbereit.

Am zweiten Tag in Saudi bin ich nun im Inneren Saudi Aramcos. Auf einem streng bewachten, unglaublich großen Gelände, vergleichbar einer ganzen Wüstenregion, zersetzt von kleinen Dörfern. Durchkommen nur mit vorheriger Anmeldung und Passkontrolle durch bewaffnete Sicherheitsleute. Ein Ort, den nicht jeder zu Gesicht bekommen kann. Ähnlich meines Compounds, ist das Gelände von Aramco eine Welt in der Welt Saudi Arabiens. Hinter dem Haupteingang, am gläsernen Hauptgebäude vorbei, geben sich plötzlich alle Mühe die Verkehrsregeln zu befolgen. Straßen, Ampeln und die Marken der Autos folgen dem Amerikanischen Vorbild. Aramco-eigene Autos sind entweder SUVs mit drei Sitzreihen und fettem V8 der Marke GMC oder Ford Limousinen wie man sie als New Yorker Taxis kennt, oder eben als Polizeiautos aus 90er Jahre Hollywoodstreifen. Endlich sehe ich wieder Frauen ohne Abaya oder Kopftuch hinter dem Steuer sitzen.

Joseph bringt mich also wie versprochen zu meinem künftigen Arbeitsplatz. Das MPD ist, wie die meisten Gebäude hier, quadratisch und sandfarben. Davor Parkplätze für die Autos der Mitarbeiter, zumeist Toyota Corollas oder Yaris mit Al Nijoom Aufkleber, Braune, durchnummerierte Aramco Ford Limousinen und dazwischen auch ein paar individuelle Gefährte.

MPD

MPD

Am Eingang eine weitere Kontrolle. Sicherheitsleute hier sind trotz bescheidener Bezahlung ausschließlich Saudis. Joseph und ich werden abgeholt und die Treppe hinunter in die Katakomben des MPDs geführt. Alle denen ich auf dem Weg begegne schenken mir ein Lächeln und fragen nach meinem Wohlbefinden und dass sie sich freuen mich zu treffen. Ihre Namen vergesse ich leider sofort. Hier höre ich Namen, bei denen ich nicht an Personen, eher an exotische Früchte denke. Keine Chance. Mir ist das peinlich. Höflich erkundige ich mich jedes mal wiederholt nach dem Namen, um den Eindruck zu erwecken ihn abzuspeichern. Inder, Filipinos, Araber stellen sich mir vor. Alle mit Hemd oder in dunkelblauen Saudi Aramco MPD Poloshirts mit der Tätigkeitsbezeichnung auf dem Rücken. Crew, Editor, Director. Letzteres würde mir gut stehen denke ich, aber ich trage ja nicht gerne auf.

Ich bin etwas überfordert mit all den neuen Gesichtern und setze mich zusammen mit Joseph in Bill's Büro. Eine halbe Stunde lang reden wir über das MPD und was auf mich zukommen wird. Meine erste Zeit hier soll wohl recht ruhig bleiben. Bill redet auch zu und über Joseph, erklärt mir seine Rolle als mein Contractor, der viel Geld und Zeit in mich investiert, was wiederum zu dem Anfang dieses Kapitels führt.

Danach bekomme ich eine kleine Führung durch die Räumlichkeiten. Als erstes treffe ich Neil, den ich schon durch E-Mail Kontakt kenne. Neil Mackay, ein Schotte und der Chefgrafiker hier. Er ist seit zwei Jahren hier, und seit einem Jahr wohnt er mit Frau und Kind in Bahrain. Er ist gefühlte 30 Jahre älter als ich ihn mir vorgestellt habe, trägt Brille und seine weißen Haare nach hinten gekämmt. Für mich natürlich sofort eine wichtige Ansprechperson, hat er doch schon durch, was ich noch vor mir habe. Chris kommt dazu, einer der Regisseure. Ebenfalls Schotte und nur leicht jünger als Neil. Auch seine Haare sind schon grau, auch er hat eine Brille und auch er wohnt in Bahrain. Beide sind ebenfalls bei Al Nijoom angestellt und kennen sich schon seit 35 Jahren. Neil kam als erstes nach Saudi und hat Chris später dazu geholt. Er wohnt mit seiner Familie auf dem Gelände vom Hamala Beach Ressort an der Westküste Bahrains in einem freistehenden Haus mit drei Schlafzimmern. Das Gelände bietet alles was man von diesen Compounds erwarten kann, Fitnessräume, Gemeinschaftspool, Bar, Restaurant usw.. Was mich besonders reizt ist der Strand, den es für die Bewohner gibt. Chris dagegen wohnt zentraler in einem Apartment mit zwei Schlafzimmern im achten Stock eines Hochhauses. Ebenfalls mit den Annehmlichkeiten der Compounds, großem Balkon und Meerblick. Von beiden Wohnsituationen bin ich ziemlich begeistert.

Ein paar Räume weiter stellt sich Hamad in perfektem Südstaaten-Englisch als einer der Cutter vor und freut sich über die Verstärkung. Hamad kommt ursprünglich aus Pakistan. Als er noch ein Kind war sind seine Eltern nach Texas ausgewandert. Dort hat er auf der gleichen Filmschule wie auch Robert Rodriguez studiert. Vor ein paar Jahren ist sein Vater nach Saudi Arabien gekommen um für Saudi Aramco zu arbeiten. Hamad ist ihm letztes Jahr hierher gefolgt.

Gegenüber werde ich in etwas gebrochenen Deutsch angesprochen, Fahmi, einer der Cutter und Regisseure. Ein großer, lauter, kräftiger Typ mit zurückgegeltem Haar. Er trägt ein weißes Hemd, eine Anzughose und Lackschuhe. Seine Mutter ist Deutsche, daher die hier ungewöhnliche deutsche Sprache. Fahmi hat die letzten zehn Jahre in Los Angeles gelebt, Film studiert und gearbeitet. Ursprünglich kommt er von hier. Seit zwei Jahren arbeitet er für Aramco und lebt mit seiner Frau ebenfalls in Bahrain.

Zum Mittag nimmt mich Joseph zusammen mit den beiden Schotten, die in den nächsten Wochen noch mit der greifbaren Unabhängigkeit ihres Heimatlandes mitfiebern werden, mit in eines der Restaurants hier auf dem Gelände mit. Ein Mexikaner. Das Gebäude ist groß, gläsern und voller Weißbrote. Ich wähle das, was auf den Bildern am leckersten aussieht und bin ein wenig überrascht über die Preise. Knapp 20 Dollar für ein Mittagessen finde ich für einen Arbeitstag ziemlich viel. Ich rechne im Kopf hin und her, wie noch so oft in nächster Zeit. Ich bin ja schließlich auch hier um etwas zu sparen. Ich höre auf zu rechnen nachdem Joseph für uns alle bezahlt hat. Ich mag die beiden Schotten. Sie sind irgendwie relaxt, Joseph sowieso. Er erzählt, dass er zum Trinken und für eine Massage öfters nach Bahrain fährt. Nach allem was man so hört, halte ich es für angemessen seine Ausführungen um ein „mit Happy End?“ zu ergänzen. Bei aller Lockerheit bereue ich das kurz, bis Neil plötzlich herzhaft loslacht.

Am nächsten Tag muss ich zum obligatorischen Medizintest. Alle, die hier arbeiten wollen, müssen den machen. Das Krankenhaus ist klein und voller Leute, meist nicht arabischen Ursprungs. Ein wenig schmutzig, denke ich mir. Mahesh ist bei mir und regelt alles nötige um mich durch die drei Stationen des Tests zu führen. Als erstes wird mir in einem kleinen unordentlichen Raum von einer nicht gerade gesprächsbereiten, düster dreinschauenden Frau die Nadel in den Arm gerammt. Ein wenig Blut geht immer. Bei der nächsten Abgabe körperlicher Ausgüsse muss ich mich dann doch überwinden. Urin in einen kleinen Plastikbecher zu befördern ist keine Hürde für mich. Eine Stuhlprobe abzugeben, in einem extrem engen, heißen Toilettenabteil, indem sich neben dir andere Leute abquälen oder einfach nur die Hände waschen, ist eine. Da muss ich wohl durch. Details spare ich mir an der Stelle. Es sollte nur erwähnt werden, dass es einem akrobatischen Akt gleich kam und ich schwitzend vom Männerklo kam. Dieses einzige Mal hatte ich mir eine hier sonst so typische Bodentoilette gewünscht. Als letztes wird meine Lunge geröntgt. Wie alle Mediziner und Hilfskräfte wird nicht geredet oder gelächelt. Nicht einmal geheuchelt. Alles in allem bin ich froh hier raus zu sein.

Hospital

Den Rest des Tages verbringe ich im Büro von Al Nijoom. Es gibt nichts für mich zu tun. Ich vertiefe mich ins Internet, rauche und trinke übersüßen Kaffe mit Milch. Joseph lädt mich zum Mittagessen ein. Wir fahren in die Innenstadt Dammams. Die Tristesse einer Wüstenendzeitstadt weicht einer lebhaften, wuseligen Gegend. Mit wuselig und lebhaft meine ich viele umherfahrende Autos und Männer die aus diesen aussteigen und in eines der zahlreichen Restaurants laufen. Wir gehen in eines dieser arabisches Restaurants. Wir sind, soweit ich das überblicke, die einzigen Ausländer. Mir gefällt das. Es erfolgt die mir bekannte Vorgehensweise. Als erstes Bestellen. Reis und Huhn und etwaige zusätzliche Nebenspeisen. Dann Händewaschen. Ganz wichtig, zu mindestens in einem Muslimischen Restaurant. Hier wird nämlich mit den Händen gegessen. Genaugenommen mit der rechten. Die linke Hand ist für alles unhygienische benutzt, also nicht zum Essen. Deswegen zeigt man auch nur mit der rechten Hand auf etwas oder jemanden, außer man mag diesen jemand nicht. Dann wird eine Plastikfolie über den Tisch ausgebreitet und nacheinander kommen die Teller mit den Speisen und dazu viel, ganz viel flaches Fladenbrot. Dann nimmt man seine rechte Hand, reißt ein Stück Brot ab, mit dem Brot in der Hand reißt man dann wiederum ein Stück Huhn heraus, dippt es in eine der vielen Saucen und haut es sich hinter. Das ganze macht man dann auch genauso mit dem Reis oder den Beilagen. Dabei ist das Brot nicht einmal nötig. Die meisten nehmen Reis und Huhn einfach direkt mit der Hand. Man muss dazu sagen, dass die Araber es mit der Reinlichkeit sehr genau nehmen.

Ich bin übersatt. Die Kombination Huhn, Reis und Brot liegt schwer im Magen. Joseph redet nicht viel. Das ist mir schon in unseren vielen gemeinsamen Raucherpausen aufgefallen. Er scheint einfach manchmal in sich zu ruhen. Gerädert kommen wir wieder im Büro an. Nach Zigarette und supersüßem Kaffe mit süßer Milch zeigt mir Joseph die nächsten vier Stunden indische Filme auf seinem Laptop und versucht mich dafür zu begeistern. „Dhoom“, „Don“ genauso wie „Krish“ stehen am Ende auf einer Liste, die mir Joseph stolz in die Hand drückt. Wenn mir an den Wochenenden langweilig ist, solle ich mir die doch mal anschauen. In der Tat bin ich erstaunt über die Qualität dieser Filme, denen bei uns nur ihr, dem Westen befremdlicher, Bollywood Flair im Wege steht.

Bei einer weiteren Zigarettenpause sitzt Joseph mir schweigend und Löcher in den Tisch starrend gegenüber, als er plötzlich von einem Film erzählt, den er produziert. Es ist schon immer sein Traum gewesen einen Film zu machen. 10 von geplanten 30 Drehtagen hat er schon absolviert. Sein Regisseur ist in Indien sehr bekannt. Letzten Monat lief ein Film von ihm in Bahrain im Kino. 1,2 Millionen Dollar hat er zusammengekratzt. Über hunderttausend Dollar hat er selber investiert. Das Geld bekommt er nur zurück, wenn der Film mehr einspielt, als er gekostet hat. Kein übergroßes Risiko für einen Traum. Ich bin natürlich Feuer und Flamme. Ich finde das großartig und will am besten gleich mit nach Indien kommen. Zu letzterem gibt es vier Wochen später etwas neues zu erzählen.

Gegen 17 Uhr kommt Sasha ins Büro. Seine Haare sind gegelt, er trägt ein weißes Hemd, eine goldene Uhr und zwei goldene Ringe an der rechten Hand. Er begrüßt mich verhalten. Er ist wie ich bei Al Nijoom angestellt, arbeitet aber bei Saudi Aramco. Joseph kommt auf die Idee, Sasha solle mich doch am Wochenende mit zum shoppen nehmen. Er weiß, dass mir langweilig sein wird und ich mit den Gegebenheiten etwas unzufrieden bin.

Es ist Freitag, Wochenende. Ich weiß nichts mit mir anzufangen. Die Situation ist immer die gleiche. Draußen ist es zu heiß, drinnen ist es zu laut. Ich zappe durch das Fernsehprogramm. 60 Sender stehen zur Verfügung. Hauptsächlich arabische Sender, meistens aber auf Englisch. Ich begehe den Fehler und rauche in meinem Zimmer. Ich versuche mir alte Gewohnheiten zu erhalten um mich wohl zu fühlen. Dazu gehört für mich eine Zigarette und ein Kaffee zum Frühstück. Am besten surfe ich dabei durchs Internet oder schaue fern. Gleich neben dem Gebäude in dem ich wohne gibt es ein Minimarkt und ein Restaurant. Ich bin unsicher, halte mich von dem Restaurant noch fern, schaue nur aus der Entfernung ab und zu durch die Glastür am Eingang und halte Ausschau nach anderen Leuten, die drinnen sitzen.

Ich muss einkaufen. Nescafe, Nutella, Äpfel, Toastbrot, Vitaljoghurt, Sandwichkäse, 100 Prozent Orangensaft in der 1,5 Liter Plastikflasche, Milch und Kellogs Frosties. Ich bin überrascht über die vielen deutschen Produkte und über manche Preise. Manches teuer, manches günstig. Was fehlt ist Wurst oder richtiger Käse. Wurst gibt’s nur in Dosen, Käse nur künstlich hergestellt in Plastikfolie. Also das Gegenteil von dem was wir bei uns im Kühlregal stehen haben. Felix, Ein junger, etwas grimmig dreinschauender Filipino kassiert mich ab und packt mir alles in Plastiktüten ein. Felix ist seit 1 ½ Jahren hier. In sieben Monaten fliegt er wieder zurück auf die Philippinen. Er arbeitet sieben Tage die Wochen, zwölf Stunden am Tag. Sein Verdienst ist nicht viel höher als zuhause meint er. Mein erster Einkauf kostet 95 Ryal, 20 Euro.

Compound

Der Tag vergeht, Sasha meldet sich und wir verabreden uns zum shoppen. Hört sich seltsam an, ist aber das einzige was man in seiner Freizeit außerhalb der Wohnung machen kann. Es gibt keine anderen Freizeitmöglichkeiten. Keine Kinos, keine Theater, keine Orte an denen Menschen zum Spaß hingehen. Dafür gibt’s hier Bahrain, aber da kann ich ohne Visum noch nicht hin.

Halb sieben holt mich Sasha von meinem Compound ab. Er fährt einen Toyota Corolla von Al Nijoom. Wir fahren in die Al-Rashid Mall und erzählen während der Fahrt von unseren jeweiligen Gründen, die uns nach Saudi Arabien verschlagen haben. Er erzählt immer sehr ruhig und mit dem britischen Akzent, der auf andere Menschen immer etwas arrogant wirkt. Bei James war mir das letztes Jahr ebenfalls aufgefallen. Sasha schaut mich auch selten an wenn er erzählt, eine seltsame Eigenschaft. Wir erreichen die Mall. Sie ist gigantisch groß. Ein riesiger sandfarbener Bau. Erhellt von unzähligen gelben scheinenden Laternen und Lampen an den Wänden. Hunderte fette Autos quetschen sich die Anfahrten entlang. Wir bahnen uns den Weg in das kostenlose Parkhaus. Hier ist es noch mal heißer als draußen, weil hier die Rückseiten der Klimaanlagen herausragen. Drinnen reihen sich Klamotten- Schmuck und ein paar Technikläden aneinander. Alles ist sehr sauber, viel weißer Marmor überall. Hauptsächlich sieht man Familien. Ab und zu Jugendliche, die nicht wissen was sie mit sich anfangen sollen und sich auch schonmal eine Zigarette im Coffeeshop anstecken. Sasha erzählt, dass die Malls eigentlich für Jugendliche gesperrt werden sollten. Dann treffen wir Andreas beim kleinen Kamerashop von Canon. Sasha und er hatten sich vorher verabredet. Andreas kommt aus Schweden und arbeitet als freier Regisseur bei Joseph. Vier bis fünfmal im Jahr fliegt ihn Joseph ein, um mit ihm Imagefilme für Aramco zu drehen. Auch nicht schlecht denke ich mir. Kann hier arbeiten, fliegt aber nach zwei Wochen immer wieder schön nach Hause. Andreas schätze ich auf mitte dreißig. Er hat ein freundliches Äußeres, blond, locker gekleidet. Also mal kein Hemd. Wir schlendern alle zusammen durch die riesigen Gänge. Andreas hat schon einen Beutel in der Hand und irgendwie kommt mir die Szene mit uns drei shoppenden Männern seltsam vor. Als wir uns einen Kaffee holen wollen, schließen plötzlich alle Läden. Eine saudische Eigenheit. An fünf Zeiten am Tage wird gebetet. An sich völlig normal in einem muslimischen Land, aber hier werden einfach alle Geschäfte geschlossen und Männer machen Kontrollgänge, damit auch jeder der Pflicht des Betens nachgeht. Nach 20 Minuten öffnen die Läden wieder. Wir entscheiden uns Essen zu gehen. Ein amerikanisches Restaurant namens „Gourmet Burger“. Ich esse den Barbeque Burger, der mich ganz schön umhaut. Langsam tauen wir alle etwas auf. Andreas erzählt viel von Geschichten, die ihm hier passiert sind. Ich verstehe nicht alles, aber ich find es gut.

Shopping Mall

Es ist Samstag. Mahesh holt mich ab um, auf meinen Wunsch hin, mit mir nach einem Apartment zu schauen. Wir machen uns auf nach Al-Khobar. Die dekadentere Version von Dammam. Ich bin gespannt und freue mich schon. Ich will weg aus meinem Zimmer. Das erste Apartment liegt in einem Hotel. Wohnzimmer, 2 Schlafzimmer und eine große Küche. An sich genau das was ich gesucht habe. Leider wirkt es runtergekommen und aus der Zeit gefallen. Die Möbel stammen aus den Siebzigern. Die Küche ist riesig aber auch genauso schäbig. Insgesamt würde ich die Wohnung aber nehmen. Der Ausblick aus den Schlafzimmern ist sehr schön und ich hätte Platz für Besuch. Außerdem wären Supermärkte und Shopping Malls nicht weit entfernt. Allerdings wäre ich hier auch gefühlt der einzige Ausländer. Mein Bauchgefühl rät mir ab. Die anderen Wohnungen die wir uns anschauen reichen an diese erste nicht heran, sodass ich mich entscheide in meinem heimeligen Compound zu bleiben und auf Bahrain zu warten.

Wohnungssuche Khobar

Wohnungssuche Khobar

Wohnungssuche Khobar

Wohnungssuche Khobar

Wohnungssuche Khobar

Wohnungssuche Khobar

Wohnungssuche Khobar

Sonntag, 30. August. 5:15 Uhr klingelt der Wecker. Mein erster Arbeitstag. Ich bin aufgeregt, habe kaum geschlafen. Gestern hat mein Bauch angefangen weh zu tun. Ich rauche eine und trinke ein kaffeeähnliches Heißgetränk. 6:15 soll ich abgeholt werden. Ich warte vor dem Eingangstor des Compounds. Es ist schwül und heiß und ich fange an zu schwitzen. Angelo und Moises kommen erst 6:40 Uhr. Die beiden, mitte zwanzig und von den Philippinen, reden nicht viel. Ich versuche mich zu entspannen und döse im Auto während ich die Stadt an mir vorbeifliegen sehe. Ich staune, wie sicher Angelo uns durch den verrückten Verkehr manövriert. Zehn nach Sieben kommen wir am Eingang von Saudi Aramco an. Ich muss ins Besucherinformationszentrum um mir einen temporären Zugang zu verschaffen. Vor mir eine lange Schlange. Es geht nur träge voran. Ich bin zu spät, an meinem ersten Arbeitstag. Zumindest ist das nicht meine Schuld.

7:35 betrete ich endlich das MPD. Da ich noch nicht weiß, wohin ich soll oder was ich machen soll, warte ich im Foyer. Eine halbe Stunde später kommt Bill, der bis eben in einem Meeting saß und bringt mich an meinen Arbeitsplatz. Ein in die Jahre gekommener AVID DS Nitris. Ein Fernsehschnittplatz.

MPD

Ich solle rausfinden, ob man damit noch arbeiten kann und ein wenig damit rumspielen. Ansonsten gibt’s noch nichts für mich zu tun. Internet gibt’s für mich nicht, da ich noch keine Aramco ID habe. Also sitze ich den ganzen Tag mehr oder weniger rum. Ich sehe Sascha nochmal. Er fliegt morgen für drei Wochen in den Urlaub. Schade, der einzige mit dem ich schon etwas warm bin. Zusammen mit ihm und Hamad gehe ich dann Mittagessen. Wir fahren zu einem kleinen Restaurant neben einer gigantischen, aber leeren Pferdekoppel. Die Pferde sind in der Mittagshitze im Stall. Es müssen hunderte sein. Ich esse Suppe für zwei Euro wegen meinem Bauch. Es wird nicht besser. Den Rest des Tages verbringe ich mit sitzen und warten. Ab und zu versuche ich zusammen mit Moises und Preetam, einem indischen Kollegen, meinen Schnittplatz auf Vordermann zu bringen. Punkt 16 Uhr werden dann die Segel gestrichen. Sasha nimmt mich mit und fährt mich nach zum Compound. Meine Bauchschmerzen sind mittlerweile sehr unangenehm. Es krampft und drückt nur so. Netterweise fährt Sasha für mich einen Umweg und bringt mich zu einer Apotheke in der ich mich mit drei unterschiedlichen Medikamenten eindecke. Abends kämpfe ich mit mir. Ich bin gefangen zwischen Bauchkrämpfen und längeren Sessions auf der Toilette. Ich weiß nicht ob ich so auf Arbeit gehen kann. Allerdings habe ich gerade erst angefangen und hätte ein schlechtes Gefühl dabei. Lisa redet mir später via Facetime Mut zu. Eigentlich will ich Mitleid haben. Am Ende bin ich froh das ich von ihr keines bekomme und entschließe mich es zu probieren.

life, Sascha, work post by .

Share Post

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *